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Im südlichen Afrika zahlt sich ein langer Atem aus

11.09.17 Global AHK News, AHK Süd-Afrika - News-Hauptkategorie, Suedafrika Kompetenzzentrum - News-Hauptkategorie

Lea Heidemann, AHK Südliches Afrika: "Afrika ist eben nicht Afrika. Jedes Land der Region hat seine eigene unverwechselbare Geschichte, Mentalität und Kultur."

Lea Heidemann, Leiterin des Kompetenzzentrums Bergbau und Rohstoffe der Auslandshandelskammer Südliches Afrika, gab dem BME folgendes Interview*:
 

Ihre AHK ist Teil des German Mining Network. Worum geht es dabei?
Das German Mining Network besteht aus sechs internationalen Kompetenzzentren für Bergbau und Rohstoffe der Auslandshandelskammern in Australien, Brasilien, Chile, Kanada, Peru und im Südlichen Afrika. Ihm gehören ferner die Deutsche Rohstoffagentur (DERA) und Germany Trade and Invest (GTAI) an. Das Bundeswirtschaftsministerium unterstützt und flankiert die Aktivitäten dieses Netzwerks. Der DIHK hat eine koordinierende Rolle. Das German Mining Network trägt zur Sicherung der nachhaltigen Rohstoffversorgung deutscher Unternehmen bei und unterstützt gleichzeitig das deutsche Exportgeschäft. Es richtet sich vor allem an deutsche Firmen und Institutionen, die national oder international im Rohstoffsektor geschäftlich aktiv sind. Hierzu zählen Bergbauzulieferer und -betreiber, Rohstoffhändler, Rohstoffverarbeiter, Einkäufer, Berater, Forschungseinrichtungen sowie Vertreter von Politik und Verbänden.

Welche Anfragen hat Ihr Kompetenzzentrum zu beantworten?
Unser Kompetenzzentrum Bergbau und Rohstoffe ist für Südafrika, Sambia, Simbabwe und die DR Kongo zuständig. Regelmäßig melden sich deutsche Unternehmen bei uns und bitten um aktuelle Informationen zur Verfügbarkeit einzelner Rohstoffe in den genannten Ländern. Stark nachgefragt werden Daten zu den örtlichen Rahmenbedingungen. Wir vermitteln auch Vor-Ort-Kontakte zu einheimischen Bergbau-Experten. Vor allem für kleine und mittelständische deutsche Unternehmen ist der Markteintritt und Marktausbau im Ausland schwierig. Von der geringen Markterfahrung und der Entfernung einmal abgesehen, sind es in erster Linie fehlende personelle und finanzielle Ressourcen im eigenen Betrieb, die die Erschließung des Auslandsmarktes erschweren oder unmöglich machen. Genau hier setzen die Dienstleistungen unseres Kompetenzzentrums an, das eine wichtige Anlaufstelle für deutsche Unternehmen im südlichen Afrika darstellt. Über ein Büro in Lusaka, Sambia, einer Kontaktperson in Harare, Simbabwe und aus Johannesburg in der Republik Südafrika werden die Zielmärkte betreut.

Was verbindet Sie mit den anderen fünf AHKs?
Wir alle sind auf den internationalen Rohstoffmärkten aktiv. Deshalb macht es Sinn, unsere Kompetenzen im German Mining Network zu bündeln und mögliche Synergien zu nutzen. Unsere Plattform ist global ausgerichtet und damit viel mehr als ein Einzelstandort mit nationalem Kompetenzzentrum. Durch den Verweis auf die Zusammenarbeit im German Mining Network verbessert sich auch mein Standing gegenüber lokalen Partnern. Damit zeige ich Ihnen, dass ich neben meiner Kompetenz über den Rohstoffmarkt des südlichen Afrikas auch auf Know-how aus den AHK-Kompetenzzentren in Australien, Brasilien, Chile, Kanada und Peru zurückgreifen kann.

Wie ist die Lage auf dem Rohstoffmarkt im südlichen Afrika?
Der global zu beobachtende Anstieg der Rohstoffpreise macht auch vor unserer Region nicht Halt. Im Vergleich zu anderen Gegenden der Welt verfügen die Länder des südlichen Afrikas nach wie vor über einen enormen Rohstoffreichtum. Commodities wie Rohöl, Kohle, Gold, Platin, Silber oder Chrom sind nicht nur in ausreichenden Mengen vorhanden, sondern weisen eine hohe Qualität auf. Deshalb werden sie von der Industrie sehr geschätzt. Das gilt auch für den sogenannten Copperbelt. Dabei handelt es sich um einen Kupfergürtel, der sich über Sambia und die Demokratische Republik Kongo erstreckt. Die Industrieregion gilt als das bedeutendste Kupferabbaugebiet Afrikas. Dort lagern mehr als ein Zehntel der weltweiten Kupfervorkommen. Ein weiterer Standortvorteil: Der Rohstoffmarkt des südlichen Afrikas hat ein großes Zukunftspotenzial, denn er verfügt über viele noch unerschlossene Förderstätten. Hier bieten sich insbesondere deutschen Anbietern von Bergbautechnik sowie Rohstoffeinkäufern lukrative Geschäftsmöglichkeiten. Noch viel zu tun gibt es in den Bereichen Ausbildung, Mechanisierung und Automatisierung im Bergbau. Auch hier setzen die Regierungen der Länder des südlichen Afrikas auf westliche Unterstützung.

Kommt die Weiterverarbeitung der Rohstoffe vor Ort voran?
Es gibt im südlichen Afrika einen anhaltenden Trend zur lokalen Weiterverarbeitung der Rohstoffe, insbesondere von Erzen. Hier ist die Republik Südafrika ihren Nachbarstaaten schon um einiges voraus. Generell versuchen die nationalen Regierungen mithilfe finanzieller Anreize wie der Vergabe von Fördermitteln darauf, das Veredeln der Metalle vor Ort voranzutreiben. Dieser Prozess braucht allerdings Zeit und erfordert beträchtliche Investitionen in Personal und Technik.

Was müssen Einkäufer und Zulieferer beim Markteinstieg im südlichen Afrika beachten?
Sie sollten sich bereits vor ihrem Markteinstieg mit den konkreten gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten des jeweiligen Landes vertraut machen. Wichtig ist vor allem der Kontaktaufbau zu verlässlichen einheimischen Geschäftspartnern, die ihre Branche und die lokalen Gegebenheiten bestens kennen und im Umgang mit ausländischen Einkäufern oder Investoren erfahren sind. Im Falle Sambias und der Demokratischen Republik Kongo kann die genaue Kenntnis des Umgangs mit den dort geförderten sogenannten Konfliktrohstoffen, den damit verbundenen Sorgfaltspflichten sowie den erforderlichen Zertifizierungen nicht schaden. So bewahren Einkäufer und Zulieferer ihre Unternehmen vor größerem finanziellem Schaden.

Haben Sie weitere Tipps parat?
Deutsche Einkäufer und Lieferanten sollten sich auf dem afrikanischen Kontinent vor Pauschalisierungen hüten. Afrika ist eben nicht Afrika. Jedes Land der Region hat seine eigene unverwechselbare Geschichte, Mentalität und Kultur. Nicht zu vernachlässigen sind auch die unterschiedlichen Sprachen. Wir finden im südlichen Afrika Portugiesisch ebenso wie Französisch oder Englisch. Geschäftsabschlüsse und Verhandlungen benötigen viel Zeit. Deshalb sollten sich deutsche Unternehmen, egal, ob Rohstoffeinkäufer, potenzielle Lieferanten für Bergbautechnik oder Investoren, von Anfang an auf ein längerfristiges Engagement im südlichen Afrika einstellen. Lassen sie sich auf Land und Leute ein, zahlt sich ihr langer Atem auch aus.

Wo steht das südliche Afrika im Wettbewerb mit anderen Rohstoffmärkten?
Ein Ranking fällt mir schwer, weil jeder Markt seine Stärken und Schwächen hat. Industriell fortgeschrittene Nationen wie Australien oder Kanada verfügen über entwickeltere Wirtschaftsstrukturen als unsere Region. Sie können mit verlässlicheren politischen und gesetzlichen Rahmenbedingungen aufwarten. Im Gegensatz dazu sind die Märkte des südlichen Afrikas weit weniger erschlossen und bieten dadurch höhere Entwicklungspotenziale.

Wie steht es um das Wassermanagement im Bergbau Südafrikas?
Die Republik Südafrika hat mit chronischem Wassermangel zu kämpfen. In der Provinz Westkap herrscht zurzeit die schlimmste Dürre seit mehr als 100 Jahren. Der Großraum Johannesburg hat ebenfalls mit akutem Wassermangel zu kämpfen. Die Hauptstadt der Provinz Gauteng liegt weder an einem Meer noch an einem großen Fluss. Rund um Johannesburg befindet sich eine Vielzahl von Minen. Einige von ihnen wurden stillgelegt. Dort gibt es Schächte, in denen das Grundwasser mit den Mineralien reagiert. Dadurch entsteht saures Wasser. Im Laufe der Jahre steigt es immer weiter an die Oberfläche und droht damit das Grundwasser zu verseuchen. Südafrika verfügt auch über die tiefsten Minen der Welt. Kühl- und Trinkwasser müssen zum Teil in eine Tiefe von mehr als 3.000 Metern gepumpt oder in umgekehrter Richtung Grundwasser und ausgewaschene Rückstände an die Oberfläche gebracht werden. Das stellt Mensch und Material vor große Herausforderungen.

*Das Interview führte Frank Rösch, BME.


Link: https://www.bme.de/im-suedlichen-afrika-zahlt-sich-ein-langer-atem-aus-2239/